IN FORM FÜR’S LEBEN
"Mein ganzes Leben stecke ich mir Ziele. Ich denke, das liegt im Blut eines jeden Sportlers.
Doch seit meinem achten Lebensjahr habe ich ein ganz besonderes Ziel vor Augen: Ich möchte Olympiasieger werden; eine Olympische Goldmedaille um meinen Hals spüren.
Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde bestimmt dieses Ziel meine Gedanken.
Mein ganzes Leben ist auf dieses Ziel ausgerichtet.
Sobald ich mit dem Boot in See steche, überkommt mich ein unbeschreibliches Gefühl.
Diese Freiheit auf dem Wasser - gepaart mit purer Dynamik- ist für mich das Größte.
Genau dann spüre ich: Ich tue das, was ich liebe – was ich am liebsten für den Rest meines Lebens machen würde.
Ich werde alles dafür geben, mein Ziel zu erreichen und bei Olympia ganz oben auf dem Podest zu stehen – um dann vollen Stolzes sagen zu können, dass ich nie aufgegeben und meinen Traum verwirklicht habe.
Der Kanusport hat mich für sich erobert.
Er ist meine Leidenschaft, mein Herzblut, ihm gehört jede Faser meines Körpers, jeder Gedanke seitdem ich das erste Mal im Boot gekniet habe. Ich kann mich mit anderen Spitzensportlern messen – und gewinnen.
Mein Anspruch an mich selbst ist es, jeden Tag ein kleines Stück besser zu werden. Dabei fordere ich mich immer wieder selbst heraus und definiere meine Grenzen neu.
Denn Limits existieren nur im Kopf.
Ich möchte noch ganz hoch hinaus und habe gerade erst angefangen…"
So weit so gut.
Doch jeder Athlet hat eine tiefere Geschichte, die es wert ist, erzählt -und vor allem gehört- zu werden.
Ich möchte dir meine Geschichte erzählen...
Im zarten Alter von 8 Jahren habe ich 2004 in Berlin-Grünau mit dem Kanusport begonnen.
Ich hatte damals schon einen hohen Bewegungsdrang und liebte es, mich auszupowern.
Warum also nicht mal den Sport ausprobieren, bei dem ich meiner älteren Schwester schon so viel zugesehen und mitgefiebert habe.
Immerhin hatte ich kurz zuvor das erste Mal Olympische Spiele im Fernsehen wahrgenommen und war ab da begeistert von der "Faszination Sport".
Was es bedeuten und verlangen würde, zu einem Top-Athleten aufzusteigen, konnte ich mir damals noch nicht vorstellen.
Das erste Jahr versuchte ich also, mich im Boot von Steg zu Steg zu hangeln und dabei nicht nach 2 Schlägen ins Wasser zu fallen.
Gar nicht so einfach kann ich dir sagen.
Aber ich hatte Spaß dabei, auch wenn ich oft genug im Wasser gelandet bin.
Es ist für mich noch jetzt das Wichtigste, Spaß am Sport zu haben, auch wenn ich mich täglich schinde, um nach ganz oben zu kommen.
Nach einem Jahr war es dann so weit: mein erster Wettkampf.
Kükenregatta in Berlin-Tegel.
War das aufregend.
Mit anderen Jungen um die Wette paddeln.
Genau so groß, wie meine anfängliche Aufregung war auch meine Ernüchterung und Trauer, als ich abgeschlagen Letzter wurde.
Aber mein Ehrgeiz war geweckt.
Ich kniete mich also wortwörtlich ins Training und schaffte es in kurzer Zeit, mich zu verbessern und der Schnellste in Berlin zu werden.
Dann kamen die ersten nationalen Wettkämpfe und ich landete wieder relativ weit hinten.
Das Ganze ging also von vorn los:
Verlieren, Trainieren, Gewinnen.
Klingt vom Prinzip erstmal einfach.
Damit ist aber eine ganze Menge Aufwand verbunden und irgendwann reichte die Zeit neben der Schule nicht mehr zum Training aus.
Also wechselte ich auf die Flatow-Oberschule. Auf der Sportschule hatte ich jetzt wieder mehr Zeit für den Sport und das Training wurde mein Alltag.
7:15 die erste Trainingseinheit auf dem Wasser, dann in die Schule, wieder zum Training und abends 19:00 war ich dann Zuhause.
Tag ein Tag aus. Sommer wie Winter. Bei jedem Wetter.
Also wirklich penibel durchgetaktet.
Aber es brachte mich nach vorne und ich holte Medaille nach Medaille.
Und dann kam die Pubertät und ich musste mich erstmal wieder hinten anstellen.
Während die anderen in die Höhe schossen, blieb ich klein und schmal und konnte gerade so Anschluss halten.
Aber ich lernte, zu kämpfen und mich durchzubeißen.
Als ich gefragt wurde, wie lange ich den Sport denn noch machen will, antwortete ich: "Ich höre erst auf, wenn ich Olympiasieger bin."
Nach ziemlich harten 2 Jahren ging es auch bei mir mit dem Wachstum los.
Die Sprünge in der Körpergröße waren gleichbedeutend mit den Sprüngen, die ich im Sport machte und die nationale Spitze war wieder um mich herum.
Also einfach weiter jeden Tag mein Bestes geben.
Achso... Und nebenbei natürlich noch die Schule meistern.
Zum Glück ist das Abitur an der Sportschule auf 3 Jahre gestreckt.
In meinem Abschlussjahr konnte ich sowohl das Abitur mit 1,0 bestehen als auch meine erste Qualifikation für die Nachwuchs-Nationalmannschaft erreichen.
Besser hätte ich es mir eigentlich nicht erhoffen können.
Und das eigentliche Highlight - Deutschland international vertreten zu können - stand ja noch aus.
Es erfüllt mich seither jedes Mal aufs Neue mit Stolz, den deutschen Adler auf der Brust tragen zu dürfen.
Noch besser hätte es nur mit dem Gewinn einer Medaille bei der Europa- oder der Weltmeisterschaft im Sommer kommen können.
Also noch mehr schuften- immerhin wollte ich mich fortan mit den besten Athleten der Welt messen.
Im nächsten Jahr stand der Fokus für mich erstmal ganz auf dem Sport.
Ich wusste noch nicht genau, wie meine Karriere nach dem Sport laufen sollte und was ich mit meinem Abi anfangen möchte und wollte wissen, wie weit ich es im Kanusport bringen kann.
Das erste Mal konnte ich mich mit den Olympiasiegern und Weltmeistern aus Deutschland messen und durfte lernen, was es braucht, um da mitzumischen.
Die Leistungsdichte in Deutschland ist extrem hoch und es würde für mich nicht einfach werden, mich durchzusetzen.
Aber ich hatte ja einen Traum, der mich motiviert hat, genau das zu tun.
Meine Leistungen wurden immer besser und ich konnte so langsam auch gegen die großen Jungs bestehen.
Nur international war noch ein Knoten drin.
Es wollte einfach nicht mit einer Medaille bei der Weltmeisterschaft klappen.
3 Jahre hintereinander Vierter. 3 Jahre der Medaille immer näher gekommen und doch knapp vorbei geschrammt.
Und am Ende ist es genau das, was mich stärker gemacht hat. Ich wollte nicht noch einmal das Podest verpassen.
Also noch zielstrebiger arbeiten, mental wachsen und niemals aufgeben!
Im folgenden Jahr 2017 konnte ich mich hinter dem amtierenden Olympiasieger als Zweiter für einen Einsatz in der A-Nationalmannschaft empfehlen.
Zur Europameisterschaft gewannen wir Silber im Vierer.
Meine erste Medaille. Unfassbar. Der Knoten war geplatzt.
Doch ich wollte mehr. Und die Weltmeisterschaft sollte ja noch kommen.
Nach einem absolut genialen Rennen, was immer noch eine meiner schönsten sportlichen Erinnerungen ist, konnten wir uns zum Weltmeister krönen.
Weltmeister. Als ich mit dem Kanusport angefangen habe, habe ich lediglich davon geträumt, das mal zu erreichen und jetzt ist es Realität geworden. Und ich wusste: Jetzt kann es so richtig voran gehen.
Im Jahr 2018 bekam ich die Chance, mich zum ersten Mal international im Einer zu beweisen.
Bei der U23-Weltmeisterschaft trat ich gegen Olympiateilnehmer und Medaillengewinner vergangener Weltmeisterschaften an.
Ich war extrem gespannt und gleichzeitig so dankbar, gegen solche Gegner fahren zu können.
Die Form stimmte und ich bin topfit zur Weltmeisterschaft angereist.
Und dann es, das Finale:
Ich war mir sicher, dass ich das Zeug dazu habe, um das Podest mitzufahren.
Vom Start weg war ich entschlossen, alles zu geben.
Doch das waren meine Gegner auch und so führten wir bis kurz vor Ziel einen packenden Zweikampf um die Goldmedaille.
Dann kam der Moment, wo ich mir sagte, dass genau jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, über mich hinauszuwachsen.
Und im Ziel war ich auf einmal deutlich Erster und damit Weltmeister.
Ein kleiner Traum ist gerade wahr geworden. U23-Weltmeister und damit bester Nachwuchssportler in meiner Disziplin. Der absolute Wahnsinn und eine riesige Ehre und Belohnung für mich und alles, was ich bisher auf dem Weg dahin investiert habe.
Noch viel genialer wurde der Wettkampf dann durch den überraschenden Gewinn der Goldmedaille im Zweier nach einer unfassbaren Aufholjagd ab der Rennhälfte.
Doppelweltmeister.
Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich an diese beiden Rennen zurückdenke.
Der Durchbruch war nun endgültig gelungen.
2019, ein Jahr vor den Olympischen Spielen, konnte ich mir dann auch noch selbst beweisen, dass mein Traum von Olympia zum Greifen nah ist.
Ich konnte mein sportliches Vorbild und den amtierenden Olympiasieger bei der Qualifikation für die Nationalmannschaft schlagen und habe so die Chance bekommen, mich neben ihm bei den Weltcups gegen die ganz großen dieses Sports zu stellen.
Mit einem 6. und einem 5. Platz über die olympische 1000m-Strecke sowie einer BroBronzemedaille über 500m kann ich für meinen ersten Weltcupauftritt im Einer absolut zufrieden sein.
Diese Ergebnisse haben mir die nötige Socherheit und Bestätigung gegeben, weiterhin auf dem richtigen Weg zu sein.
Leider blieb mir ein Start im Einer zur Weltmeisterschaft verwährt.
Ich bekam aber die Chance, meinen Titel bei der U23-Weltmeisterschaft zu verteidigen und durch Ausfälle im Team auch noch die Möglichkeit, im olympischen Zweier um einen weiteren Titel zu fahren.
Nur lagen beide Finals eine knappe Stunde auseinander und ich hatte dadurch wenig Zeit, mich zwischen den Rennen zu erholen, um möglichst frisch noch einmal an den Start gehen zu können.
Doch ich war in meiner bisher besten Form, hatte durch die ersten Ergebnisse der Saison eine Menge Selbstvertrauen getankt und hatte die Chance mit beiden Titeln in den olympischen Bootsklassen Geschichte zu schreiben.
Und Chancen sind ja dazu da, genutzt zu werden.
Und so gewann ich beide Rennen.
Das Finale im Einer konnte ich deutlich für mich entscheiden. Titelverteidiger. Einer der wenigen Sportler, die das überhaupt geschafft haben.
Und kurz danach durch einen vehementen Endspurt auch Weltmeister im Zweier.
Doppeltweltmeister. In den olympischen Disziplinen.
Genial. Ohne Worte.
An dieser Stelle auch ein unfassbar großes Dankeschön an meinen Zweierpartner Tim für diese unglaublichen Rennen.
Zur Weltmeisterschaft in Ungarn zum Ende der Saison konnten wir im Vierer nochmal einen draufsetzen und als extrem junges Boot und einem beherzten Rennen die Silbermedaille gewinnen.
Medaillengewinner beim Nachwuchs als auch bei den Erwachsenen. Die bisher beste Saison meiner noch jungen Karriere.
Vielen Dank an alle, die mich bisher auf dem Weg unterstützt haben, mir dabei geholfen haben, meine Ziele zu erreichen und mich dazu motivieren und inspirieren, meinen Traum zu verfolgen und hoffentlich auch bald zu erreichen.
Und 2020?
Ja, 2020 soll genau das Wirklichkeit werden.
Ich möchte bei den Olympischen Spielen in Tokio an den Start gehen.
Dazu bin ich fast durchgängig in Trainingslagern und arbeite Tag ein,
Tag aus daran, meine Grenzen zu verschieben.
Ende Mai weiß ich dann, ob ich in Tokio um die Medaillen kämpfen kann.
Bis dahin ist es noch ein weiter Weg und ich bin motiviert bis in die Fingerspitzen, alle Herausforderungen auf dem Weg dorthin anzugehen und freue mich auf alles, was auf diesem Weg noch vor mir liegt!
Also:
Stay tuned. Follow my Journey. And be part of the dream!